Das Glossar

Glossar Stand 10.1. (= in Ausgabe 10 abgedruckt).
Wörter mit einem “●” verweisen auf andere Wörter, welche im Glossar aufgeführt sind.
Das Glossar lebt von eurer Mithilfe und wird fortlaufend ergänzt. Wenn ihr unzutreffende oder problematische Glossarpunkte entdeckt, freuen wir uns sowohl über Hinweise, als auch Gegenvorschläge. <3

§ 175 – Der § 175 existierte im Deutschen Reich, der Weimarer Republik und der Bundesrepublik Deutschland bis 1994. Inhalt war unter anderem die Bestrafung sexueller Handlungen unter Personen männlichen Geschlechts.

§ 218 – Der § 218 bezeichnet den deutschen “Abtreibungsparagraphen”. Demnach ist ein Schwangerschaftsabbruch generell in Deutschland nicht legal. Frauen*, ●Inter*personen, ●Trans*menschen und ●Queers, die abtreiben wollen werden zu Beratungsgesprächen und Bedenkfristen gezwungen, was die psychische Belastung der Betroffenen um ein vielfaches erhöhen kann.

Abled – Das Wort ist eine Rückbildung aus dem Englischen „disabled” („behindert”), das so viel bedeutet wie „nichtbehindert”. Menschen, die abled sind, haben keine Behinderungen jedweder Art – also keine körperliche Behinderung, keine Lernschwierigkeiten, keine (behindernde) chronische Krankheit, keine (behindernde) psychische Krankheit oder ●Neurodivergenz.

Ablebodied – Menschen, die ablebodied sind, sind nicht unbedingt auch ●abled. Der Begriff „ablebodied” bedeutet, dass keine körperliche Behinderung vorhanden ist. Dies schließt chronische Krankheiten und, je nach Definition, auch einige (oder alle) ●Neurodivergenzen mit ein. Die Verwendung des Begriffes „ablebodied” als Gegenteil zu „disabled”/„behindert” wird kritisiert, weil die eigenen psychischen Krankheiten, Lernschwierigkeiten und anderen Neurodivergenzen von vielen Menschen nicht als körperliche Behinderungen empfunden werden.

AIDS – (Acquired Immune Deficiency Syndrome) bedeutet in etwa “erworbenes Immunschwächesyndrom” und entspricht einer Krankheit, die in Folge einer Infektion mit dem sog. HI-Virus auftreten kann.

AIDS-Hilfe – ●AIDS-Hilfen sind Organisationen, welche nach dem Auftreten der ersten AIDS-Fälle 1981 gegründet wurden (Die erste AIDS-Hilfe in Berlin). Hauptaugenmerk der Arbeit von AIDS-Hilfen liegt auf der öffentlichen Aufklärung über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen. Außerdem werden Personen mit HIV/AIDS unterstützt und beraten.

Allosexuell – Ein Sammelbegriff für alle nicht-asexuellen Orientierungen

Amatonormativität – Die Annahme, dass exklusive romantische Paarbeziehungen ein universelles Ziel aller Menschen ist. Diese Art der zwischenmenschlichen Beziehung wird als anderen Beziehungsformen überlegen angesehen und dargestellt.

Androphilie – Androphilie bedeutet, sich von Menschen angezogen zu fühlen, die sich als männlich bzw. im männlichen Spektrum definieren

Aromantik – Aromantik ist eine romantische Orientierung, die kein Verspüren romantischer Anziehung gegenüber anderen Individuen bezeichnet. Die emotionalen Bedürfnisse aromantischer Personen können auf platonische Weise befriedigt werden. Amouröse Intentionen sind Aromantiker_innen fremd, weshalb aus einer aromantischen Orientierung oftmals auch kein Wunsch zum Initiieren romantischer Partner_innenschaften resultiert – dennoch können sich auch aromantische Menschen in romantischen Beziehungen wiederfinden.

Asexualität – Asexuell zu sein bedeutet, kein Interesse an sexueller Interaktion zu haben. Dies ist keine bewusste Entscheidung (wie z. B. beim Zölibat), es fehlt vielmehr das Verlangen danach. Dies muss nicht bedeuten, dass asexuelle Menschen kein Verlangen nach Zärtlichkeit haben oder nie Sexualität mit anderen Menschen erleben.

Barrieren (●Safer Sex) – Utensilien, mit denen sich Sex “safer” machen lässt, indem ein direkter Kontakt von Körperflüssigkeiten mit Schleimhäuten des_r Sexualpartners_in vermieden und somit das Risiko einer Ansteckung mit ●STIs verringert wird. Beispiele sind Lecktücher (dental dams), die bei vaginalem oder analem Oralverkehr gegen die Aufnahme von Krankheitserregern über den Mund schützen. Oder Kondome, die über einen Penis gezogen den Kontakt der Körperflüssigkeiten einer Person mit den Schleimhäuten einer anderen Person unterbinden.

Barrieren (Zugänglichkeit) – Nutzungshindernisse zu Objekten, Geräten, Informations- und Kommunikatoinsmöglichkeiten, (menschlich gestalteter) Umwelt für bestimmte Personen mit individuellen und_oder Beeinträchtigungen.

Barrierefreiheit – (Einfachere) Zugänglichkeit von Objekten, Geräten, Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten, (menschlich gestalteter) Umwelt unter Berücksichtigung möglichst aller Bedürfnisse (“Design für alle”/”universelles Design”).

Bigender – Menschen, die bewusst und oft sichtbar zwischen Frauen- und Männerrollen wechseln.

Bisexualität/Bi – Bisexualität heißt, dass eine Person sich romantisch und/oder sexuell zu Menschen mehr als einen Geschlechts und/oder Gender hingezogen fühlt. Jedoch nicht notwendigerweise zur gleichen Zeit, nicht unbedingt auf die gleiche Art und Weise und nicht zwangsläufig im gleichen Maße.

BDSM – steht für bondage & discipline, dominance & submission, sadism & masochism. Damit soll das Spektrum sexueller Spielarten zwischen Fesseln, Macht- und Rollenspielen und Sadomasochismus zusammengefasst werden.

Beziehungsanarchie – Jede Person und die Beziehung zu ihr ist individuell und nicht vergleich- oder labelbar, die Bedürfnisse in einer Beziehung werden individuell ausgehandelt. Normative Kategorien wie „Freundschaft“ oder „Liebesbeziehung“ werden daher unbrauchbar.

Body-shaming – Herabwürdigen, Beschimpfen, Beleidigen von Menschen aufgrund ihrer Körper, vor allem wenn diese nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Body-shaming kann sich auch als Belehrung äußern, z. B. über Bewegung oder Ernährung.

Bondage – Fesselungen oder Einschränkung der Bewegungsfreiheit mit unterschiedlichen Materialien (Seilen, Klebeband, Handschellen, u. a.) und Zielsetzungen. Zu diesen kann u. a. die Fixierung von Personen gehören, es gibt aber auch Varianten, bei denen meditative und ästhetische Aspekte im Vordergrund stehen (z. B. Shibari [japanisches Seil-Bondage]). Als Session wird eine klar abgegrenzte Zeitspanne bezeichnet, in der einvernehmlich die Fesselung praktiziert wird.

Boys‘ Love Manga/BL Manga – Manga, deren Augenmerk auf Begehren zwischen männlichen Charakteren liegt. Da ein Großteil der Autor_innen und Leser_innen ●frauisierte Personen sind, wird oft von einem Genre „von Frauen für Frauen“ gesprochen und die Identitätsvielfalt der Fans und Zeichner_innen ignoriert.

Casual Sex – bezieht sich auf ein ganzes Spektrum verschiedener sexueller Aktivitäten außerhalb von klassischen romantischen (Liebes-)Beziehungen. Das ist ein riesiges, grau-gebliebenes Feld unterschiedlicher möglicher (Nicht-)_Beziehungsformen von einmaligen Begegnungen bis hin zu langfristigen Vereinbarungen.

Christopher-Street-Day (CSD) – Deutsches Pendant zum “Gaypride”. Orientiert sich an den Stonewall-Riots (welche in der Christopher-Street in New York begannen). Diese fanden 1969 statt und richteten sich gegen die staatliche Repression der Polizei gegen ●Queers. In den Riots involviert waren vor allem ●People of Colour, ●Drag Queens, Transvesititen, ●Trans*gender, sowie ●Lesben und ●Schwule.

Cis – Die Vorsilbe “cis” verweist auf die Übereinstimmung der eigenen Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Das Geschlecht von cis Personen wird in der Regel nicht in Frage gestellt und geht mit strukturellen ●Privilegien einher. Cis wird häufig genutzt, damit nicht nur ●trans*, ●inter* und ●nicht-binäre Personen markiert werden (wenngleich auch ●inter* Personen cis sein können). Durch eine Bezeichnungsmöglichkeit für cis Personen wird vermieden, dass cis Personen als “das Normale” gelten und alle anderen als “die Abweichung”.

Cissexismus – Die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gäbe (Mann und Frau) und diese eindeutig und unveränderbar seien. Dazu gehört die Vorstellung, dass es eine weibliche bzw. eine männliche Sozialisation und eindeutig weibliche bzw. männliche Körper gäbe. Diese Vorstellungen können unbewusst verinnerlicht sein oder auch aktiv gegen ●trans* Menschen eingesetzt werden. Siehe auch ●TERFs.

Coming-Out
– Ein persönlicher, selbstbestimmter Prozess in dem Menschen für sich selbst ihr sexuelles Begehren und/oder geschlechtliche Identität wahrnehmen und annehmen (auch: inneres Coming-Out), sowie diese nach außen tragen. Meist handelt es sich hierbei um sexuelles Begehren und geschlechtliche Identitäten, die von der gesellschaftlichen Norm (siehe ●Heteronormativität) als abweichend angesehen werden. Der gesellschaftlichen Norm entsprechendes sexuelles Begehren und geschlechtliche Identitäten (wie ●Cis-Menschen und ●Heterosexualität) haben somit meist kein Coming-Out.

Critical Whiteness – bezeichnet die kritische Auseinandersetzung mit vorhandenen “weißen” (= europäisch, us-amerikanisch, gesellschaftlich akzeptiert, gebildet, staatsbürgerlich) ●Privilegien.

Definitionsmacht – Definitionsmacht ist ein ●feministisches Konzept, bei dem die Definition von ●sexualisierter Gewalt und sexualisierte Grenzüberschreitungen von der(/n) davon betroffenen Person(en), und nicht von der(/n) ausführenden Person(en) oder gesetzlichen Definitionen ausgeht. Weitere Infos: http://defma.blogsport.de/

Demisexualität – Demisexuelle Personen fühlen sich nicht zu anderen Menschen sexuell angezogen, bis sie mit ihnen eine tiefgehende emotionale und/oder romantische Beziehung eingegangen sind.

Die Krake – ist ein jährlich im Selbermach-Verfahren herausgegebenes ●feministisches Magazin, das Beiträge über „alternative“ Beziehungen versammelt und verbreitet. Alternative Beziehungen umfassen dabei alle Formen, die nicht dem Ideal der ●monogamen, romantischen Zweierbeziehung entsprechen, seien es nun glückliche Singles und sexy ●Queers, Polyamante oder Geniesser_innen von Gelegenheitssex, Kommunard_innen oder leidenschaftliche WGlinge, Kuschelfeund_innen oder Schmusekatzen. Die Krake als Wappentier symbolisiert dabei mit ihren vielen Armen die vielen Möglichkeiten gleichzeitig ganz unterschiedliche Beziehungen zu pflegen. www.diepolytanten.de.tc

Drag – übersteigerte äußerliche Darstellung (auch im Verhalten) klischeeisierter, genormter und symbolischer Merkmale. Der Begriff wird häufig verwendet, wenn eine Person andere Genderrolle(n) als die eigene verkörpert.


Drag Queen/Drag King
– Die Darstellung einer alternativen/fiktiven/erweiterten (meist binären) Persönlichkeit mit überzogenen normativen/klischeeisierten Geschlechtermerkmalen mittels Äußerlichkeiten (auch Verhaltensweisen). Durch die übersteigerte Darstellung kann sichtbar werden, dass Genderrollen und -normen konstruiert sind.

Dyadisch – “Als dyadisch werden Menschen bezeichnet, die nicht ●intersexuell sind, also deren Körper in eine eindeutige medizinische Norm von männlichen bzw. weiblichen Körpern passen.” (http://queer-lexikon.net/glossar) Siehe auch ●Endosexuelle.

Dysphorie – Leichtes bis sehr starkes Unwohlsein, wenn der eigene Körper zeitweise oder immer als nicht dem eigenen Geschlecht entsprechend wahrgenommen wird.

Einfache Sprache – Einfache Sprache ist ein Konzept, welches die ●Barrierefreiheit von deutscher Sprache steigern soll. Charakteristisch für einfache Sprache ist die Vermeidung langer Sätze, unübersichtlicher Satzstrukturen, unbekannter Fremdworte, schwer verständlicher Stilfiguren und ungebräuchlicher bildhafter Wendungen, sowie Anspielungen. Zur Zielgruppe gehören neben Personen mit kognitiven Einschränkungen zudem Personen, deren Erstsprache nicht deutsch ist.
Siehe auch ●Leichte Sprache.

Eingetragene Partnerschaft – fälschlicherweise als „Homo-Ehe“ bezeichnet ist sie eine nicht mit der ●heterosexuellen Ehe gleichgestellte Errungenschaft der konservativen ●Schwulen- (und ●Lesben-)Bewegung. Die eingetragene Partnerschaft erkennt schwule und lesbische Partner*innenschaften teilweise staatlich an, verwehrt aber bewusst viele ●Privilegien von heterosexuellen Ehen.

Emanzipation – Allgemein bedeutend für Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Emanzipation kann sich sowohl auf eine individuelle Ebene als auch auf einen sozialen Prozess bzw. eine soziale Gruppe beziehen.

Empowerment – Der Begriff „Empowerment“ zielt auf die (Wieder-)Herstellung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Alltags. Dabei greifen individuelle Kompetenzen der Selbstbefähigung und Selbstbemächtigung sowie politische Ressourcen der gemeinschaftlichen Durchsetzung von Interessen ineinander und bedingen sich. (Fachhochschule Düsseldorf: Master of ●Empowerment Studies)

Enby – siehe ●nichtbinär

Endosexuelle – meint alle Personen, die nicht ●inter* sind. Siehe auch ●Dyadisch.

Feminismus – Unter dem Begriff Feminismus sammeln sich verschiedenste Ansätze. Häufig geht es in feministischen Ansätzen um das Streben nach einer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gleichberechtigung von Frauen* und Männern* und den damit zusammenhängenden Kampf gegen sexistische Strukturen.

Fetischist_innen – sind Menschen, auf die bestimmte Materialien, Objekte oder Körperteile aus unterschiedlichen Gründen einen starken sexuellen Reiz auslösen.

FLIT* – ist die Abkürzung für: Frauen, Lesben, ●Inter*, ●Trans*. Siehe ●FLT(I)*.

FLT(I)*/FrauenLesbenTrans*(Inter*) – Manche Organisationen oder Räume richten sich ausschließlich an FLT* bzw. FLTI*, also an Frauen, ●Lesben, ●Trans*-(und ggf. ●Inter*)personen. Die Ursache dessen ist die Forderung nach einem Schutzraum, welcher durch das Leben in einer ●patriarchalen, männerdominierten Gesellschaft erforderlich sein kann.

Frauisiert/e – Als frauisierte Personen werden Menschen bezeichnet, welche weiblich sozialisiert, gelesen und/oder positioniert sind. Die Formulierung ‘frauisiert’ soll andeuten, dass es sich bei Geschlechtskategorien um gesellschaftlich bedingte Konstruktionen handelt.

Freiraum/Freiräume – siehe ●FLT(I)*/FrauenLesbenTrans*(Inter*).

FTM – Female To Male. Siehe ●Transmann.

FTN (female-to-●neutrois), haben den Wunsch, ihre körperliche Erscheinung dahin gehend zu verändern, nicht mehr als Frauen gelesen zu werden, z. B. durch Abbinden oder operatives Entfernen [von Brustfettgewebe](…), Veränderung der Stimmhöhe (z. B. durch Einnahme von Testosteron), Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter.
(von http://asexyqueer.blogsport.de/neutrois/)

FzM: Frau zu Mann / Frau-zu-Mann-Transsexueller; deutschsprachiges Äquivalent zu ●FTM

Genderfluid – Geschlechtsidentität(en) können je nach Situation oder Zeit flexibel wechseln, es können mehrere oder gar keine fest zugeschriebenen Geschlechtsidentitäten zur gleichen Zeit bestehen.

Gender_Gap – Das Gender_Gap, also der Unterstrich, ist eine ●queere und geschlechtergerechte Schreibweise, um bei geschlechtsspezifischen Bezeichnungen nicht nur Männer und Frauen, sondern auch alle anderen Geschlechter, welche sich dazwischen oder darüber hinaus einordnen, zu benennen.

Gendern – Als Gendern wird die Kenntlichmachung von Geschlecht in der Sprache bezeichnet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten in Texten zu gendern, wie z. B. das BinnenI (BesucherInnen), der Gender_Gap (Besucher_innen), das Sternchen (Besucher*innen) oder die ausgeschrieben Form (Besucher und Besucherinnen). Wird im Text ausschließlich die männliche Form verwendet (siehe ●Generisches Maskulinum), führt dies zur Unsichtbarmachung anderer mitgemeinter Geschlechter und verstärkt Stereotype.

Genderqueer – Personen, die sich mit (●cis)normativer Geschlechtbinarität nicht identifizieren können_wollen.

Generisches Maskulinum – Das generische Maskulinum (GM) ist eine verbreitete Form, um in der deutschen Sprache Personen, die nicht männlich sind, nicht mitzunennen. Das GM wird dabei so angewandt, dass auch Gruppen von Frauen, ●Inters* und Transgendern, in denen nur eine männliche Person ist, mit ausschließlich männlicher Form bezeichnet werden. Nach dem GM wäre es korrekt eine Gruppe aus 100 Arbeiterinnen und einem Arbeiter als „die Arbeiter“ zu bezeichnen.

GirlFag – GirlFags oder ●Schwule Frauen sind Personen verschiedener Identitäten, die oft weiblich gelesen werden/wurden, deren Begehren schwul ist und auf (ausschließlich oder unter anderem) schwule/●bisexuelle/… Personen gerichtet ist. Mehr dazu: girlfag-guydyke.forumieren.com

Gleichstellung – Gleichstellung bezeichnet einen Begriff bei dem zwei oder mehrere Gruppen oder Personen miteinander gleiche Rechte erhalten. Dies kann beispielsweise die Gleichstellung von Frauen* und Männern* (Frauenwahlrecht, gleiche Entlohnung) ebenso sein, wie die Gleichstellung von ●homosexuellen und ●heterosexuellen Lebenspartnerschaften.

Grausexuell – Oberbegriff für alle Verortungen zwischen ●Asexualität und als “normal häufig” gewertetem sexuellem Begehren.

Grauromantisch – Oberbegriff für alle Verortungen zwischen ●aromantisch und dem, was normativ für romantisch gehalten wird

GuyDyke – GuyDykes oder ●Lesbische Männer sind Personen verschiedener Identitäten, die oft männlich gelesen werden/wurden, deren Begehren lesbisch ist und auf (ausschließlich oder unter anderem) lesbische/●bisexuelle/… Personen gerichtet ist. Mehr dazu: girlfag-guydyke.forumieren.com

Hedonist_innen – Alltagssprachlich werden Menschen als Hedonist_innen bezeichnet, die das kurzfristige Vergnügen auf egoistische Weise allem anderen überordnen. Oft wird hiermit ein Widerspruch zwischen dem eigenen Vergnügen im Allgemeinen bzw. der Betonung sexueller Bedürfnisse im Besonderen einerseits und der politischen Aktion andererseits behauptet, als schlössen Spaß/Sex und Politik einander automatisch aus.

Heteronormativität – Heteronormativität beschreibt den Zustand, in dem ●Heterosexualität und so z. B. auch die damit verbundene Vorstellung von einem binaren Geschlechtersystem als Norm begriffen wird.

Heterosexismus – Ausgehend von der Annahme, Heterosexualität sei normal, werden andere Begehrensformen abseits von ●Heterosexualität und Gender abseits normativer Männlichkeit und Weiblichkeit abgewertet, angegriffen, etc..

Heterosexualität – ist eine sexuelle Orientierung. Die Vorsilbe “Hetero” bedeutet “anders”. Für eine Gesellschaft, in der nur Männer und Frauen denkbar sind, heißt Heterosexualität, ausschließlich das jeweils andere Geschlecht zu begehren. Wenn Heterosexualität die Norm ist, dann gibt diese Norm auch vor, wie etwa Sexualität und Beziehungen auszusehen haben. Es ist naheliegend, dass aufgrund dieser ●Heteronormativität wahrscheinlich mehr Menschen heterosexuell leben, als wenn jede sex. Orientierung gesellschaftlich anerkannt und gleichberechtigt wäre.

Homonationalismus – kann eine Folge homonormativer Politik/Denkweise sein, die nationalistische Ideen propagiert: Es wird kein Zusammenhalt mit lesbischwulen Szenen anderer Länder gesucht, sondern einerseits rassistische Gedanken gegen Muslima_s und Ausländer_innen unterstützt, die oftmals auch als per se homofeindlich gesehen werden. Auf der anderen Seite werden teilweise Kriege mit der Begründung unterstützt, die homosexuelle Bevölkerung müsse befreit werden. Somit können sich die ●homonormativen Schwulen und Lesben in den patriotischen, ●weißen Mainstream einklinken.

Homonormativität – beschreibt den Zustand, in dem ●Homosexualität als Teil des ●heteronormativen Systems existiert bzw. Homosexualität sich von ●Heterosexualität ableitet. Es wird sich an Idealen der bürgerlichen, ●weißen, heterosexuellen Mittelklasse orientiert, statt diese in Frage zu stellen, ●Monogamie, normativer Sex in den eigenen vier Wänden, zwei-Geschlechtersystem usw. werden unhinterfragt angestrebt und als normal angesehen, abweichendes Verhalten kritisiert.

Homosexualität – beschreibt (meist ausgehend von einer Zweigeschlechtlichkeit) den Zustand, dass sich Männer* von Männern* angezogen fühlen und Frauen* von Frauen*. Dies kann sich sowohl auf die Sexualität, als auch auf Liebe und Partnerschaft beziehen.

ICD-10 – ICD-10 ist ein ●pathologisierender, internationaler Standard zur Einkategorisierung von “Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme”. Kurz gesagt werden darin u. a. ●Trans*-Idetitäten, “●Transvestismus” sowie auch Vorlieben für ●BDSM und andere Abweichungen von einer allgemeinen Geschlechts- und Begehrensnorm als Krankheiten dargestellt und eingeteilt.

Intersektionalität – beschäftigt sich mit der Verschränkung von sozialen Ungleichheiten, Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Im Fokus liegt das Zusammenwirken unterschiedlicher Formen von Diskriminierung wie bspw. Geschlecht, Begehren, ●Race, Alter, sozioökonomischer Status, ●Ability. Dieses Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen wird dabei nicht additiv oder konkurrierend verstanden, sondern als eine eigene Konstellation.

Intersex*/”Intersexualität”/Inters*x – Als Inter* werden Menschen bezeichnet, deren Körper in irgendeiner Weise von der Zweigeschlechternorm abweicht oder die Anteile beider Normgeschlechter aufweisen. Das kann sich im Genitale zeigen, den inneren Geschlechtsorganen, den Keimdrüsen, den Hormonen oder dem Chromosomensatz und wird irgendwann im Lauf des Lebens “festgestellt“ (weitere Infos u. a.: www.vimoe.at).

Kinky – englisch: u. a. verdreht, pervers. Selbstbezeichnung von Menschen, die unterschiedliche Formen von unangepasster, unkonventioneller Sexualität bzw. sexuelle und/oder erotische Praktiken bevorzugen. Dazu können u. a. ●Bondage, ●Fetische für bestimmte Materialien (z. B. Lack, Latex, Leder) oder Spiele mit Macht, Unterwerfung oder Schmerz gehören, um nur ein paar zu nennen.

Konsens – aktives Einverständnis von Personen zu einer bestimmten Entscheidung.

Konsensprinzip – Weg zur Entscheidungsfindung, wobei eine Entscheidung von allen in der Gruppe getragen wird (im Gegensatz zum Mehrheitsprinzip). Alle Personen in der Gruppe müssen einverstanden und bereit sein, ihre eventuell bestehenden und zuvor mitgeteilten abweichenden Meinungen und_oder Bedenken zurückzustellen. Unabdingbar ist, dass die Entscheidung freiwillig und so informiert und aufgeklärt wie möglich getroffen wurde.

Lady(*)fest – ist eine Kultur-, Kunst- und Vortragsveranstaltung mit (●queer)●feministischer Thematik, die aus der RIOT GRRRL-Bewegung Anfang der 90er Jahre entstand.

Leichte Sprache – Leichte Sprache ist ein Mittel der ●Barrierefreiheit, welche auf eine erhöhte Verständlichkeit der deutschen Sprache abzielt. Das Regelwerk zur Leichten Sprache wird vom seit 2006 bestehenden Netzwerk “Leichte Sprache” herausgegeben. Darin enthalten sind Sprachregeln, Rechtschreibregeln und Empfehlungen zu Typographie und Mediengebrauch.
Eine charakteristische Rechtschreibregel ist die Trennung von zusammengesetzten Worten durch Bindestriche (wie bei Schiff-Fahrt oder Honig-Melonen-Messer). Charakteristische Regeln zum Textinhalt sind die Vermeidung von abstrakten Begriffen und bildhafter Sprache. Fachwörter und Fremdwörter werden erklärt und Abkürzungen sollen beim ersten Auftreten durch die ausgeschriebene Form erläutert werden. Charakteristische Sprachregeln sind u. a. die Verwendung von Aktivsätzen und die Verwendung kurzer Sätze, welche nur eine Aussage enthalten sollen.
Siehe auch ●Einfache Sprache.

Lesbisch – Eine Begehrensform, bei der sich eine Frau* oder ein_e ●Guydyke zu einer anderen Frau*/●Lesbe/Guydyke hingezogen fühlt.

LGBT* (auch LGBT*IQ) – ist eine Abkürzung für LesbianGayBiTrans* (oder eben auch ergänzt um die Erweiterung “Inter*Queer”). Die Abkürzung ist für LGBT* am gebräuchlichsten, kann jedoch auch erweitert werden um eine Vielzahl weiterer Begriffe, wie A für ●Asexuell, Q für ●Queer oder Questioning usw.

Marginalisierung – Verdrängung von Menschengruppen an den ‘Rand’ der Gesellschaft. Die Folge ist Ausschluss vom wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben.

Mastektomie – Eine Operation, bei der Brustdrüsen bzw. Brustfettgewebe entfernt werden.

MOGAI (Marginalized Orientations, Gender identities, And ●Intersex) – steht für “●Marginalisierte
Orientierungen, Geschlechtsidentitäten und Intersex” und ist ein Sammelbegriff, welcher versucht
eine Alternative zu Aufzählungen wie “●LGBTIQ*…” zu bieten. Der Begriff versucht durch nicht
konkrete Benennung der einzelnen sexuellen Identitäten und Geschlechtsidentitäten einen
Schwerpunkt auf deren Marginalisierung und Unterdrückung zu setzen. Dies soll Ausschlüsse,
welche bei anderen Aufzählungen (wie z. B. “LGBT”) vorkommen können, verhindern und
Gemeinsamkeiten betonen.

Monogamie – Monogamie beschreibt eine Beziehungsform, in der zwei Menschen eine feste und (vermeintlich) exklusive Liebesbeziehung, ohne sexuellen Kontakt zu anderen, mit einander führen.

MSM – Männer, die Sex mit Männern haben, ist ein Begriff, der unabhängig von den Kategorien “●heterosexuell”, “●queer”, “●schwul”, “●bisexuell”, “●homosexuell” läuft und somit ein größeres Spektrum an Zielpublikum einschließt.

MTF – Male To Female. Siehe ●Transfrau

MTNs (male-to-●neutrois) – haben den Wunsch, ihre körperliche Erscheinung dahingehend zu verändern, nicht als Männer gelesen zu werden, z. B. durch Entfernung von Gesichts-, und Körperbehaarung, Anheben der Stimme (z. B. durch Kehlkopfoperation), Entfernung von Hoden und/oder Penis. (von http://asexyqueer.blogsport.de/neutrois/)

Misogynie – bezeichnet Abneigungen und Abwertungen gegenüber Frauen* und Weiblichkeiten. In Alltagssprache wird häufig von “Frauenhass” oder “Frauenfeindlichkeit” gesprochen. Misogynie drückt sich z. B. durch sexistische und diskriminierende Strukturen gegenüber Frauen* aus.

MzF – Mann zu Frau/Mann-zu-Frau-Transsexuelle; deutschsprachiges Äquivalent zu ●MTF.


N****
– Das N-Wort ist eine abwertende, koloniale und rassistische Bezeichnung für ●PoC (People of Color) und/oder Schwarze Menschen.

Nationalismus/Patriotismus – Als Nationalismus wird eine Lebensanschauung bezeichnet, welche sich um die Souveränität von einzelnen Nationalstaaten dreht. Hierbei ist die Bildung nationaler Identität wichtig. Patriotismus wiederum bezeichnet die emotionale Verwurzelung mit dem Staatsgebilde, in das ein Mensch geographisch hineingeboren wurde.

Neurodivergenz/Neurodivers – bezieht sich auf Funktionsweisen des Gehirns, die als „anders“, nicht der geltenden Norm entsprechend, angesehen werden. Es handelt sich um eine Selbstbezeichnung Betroffener, die einen Raum zur Selbstdefinition abseits psychiatrischer Kategorien aufspannen soll. Dies kann die Möglichkeit geben, sich z. B. miteinander auszutauschen, für gesellschaftliche Anerkennung und gegen Diskriminierung zu kämpfen. Beispiele für Neurodivergenzen können z. B. AD(H)S, Autismus, Depressionen, Epilepsie, Legasthenie oder Psychosen sein.

Neutrois – ist eine Identität, welche sich als geschlechtsneutral im weitesten Sinne definiert, sich also von den Begriffen männlich und weiblich distanziert. Es gibt keine einheitliche Definition, weshalb sich manche neutrois Personen u. a. auch als genderneutral, genderless, agender, weder-noch bezeichnen.

Nichtbinär/nonbinary/enby – Nichtbinär ist kein einheitliches Identitäts-Konzept, sondern ein Überbegriff für alle Geschlechter, die nicht rein männlich oder rein weiblich sind. Nichtbinäre Menschen können z. B. mehrere Geschlechter haben, ●genderqueer oder ●neutrois sein oder ein Geschlecht haben, das weder Mann noch Frau ist. Viele nichtbinäre Menschen identifizieren sich gleichzeitig als ●trans. Einige nichtbinäre Menschen empfinden Geschlechts-●Dysphorie oder -Euphorie und/oder machen eine ●Transition. Ausschlaggebend für die Identität als nichtbinär ist aber nur das eigene Empfinden.

Nonbinary – siehe ●nichtbinär

Outing – siehe ●Coming-Out

Pansexualität/Pan – meint eine sexuelle Orientierung die davon ausgeht, dass es viele verschiedene Geschlechter und geschlechtliche Ausdrucksformen gibt. Für pansexuelle Menschen ist das Begehren in Liebes-, Beziehungs- und/oder sexuellen Bereichen unabhängig von der geschlechtlichen Verortung der begehrten Person(en).

Passing – Als Mitglied einer bestimmten Gruppe durchgehen/einsortiert werden ohne Aufmerksamkeit zu erwecken. Wird häufig für ●Trans*-Personen verwendet, bspw. wenn ein ●Transmann als (●cis-)Mann wahrgenommen wird. Auch im Bereich ●race kann von Passing gesprochen werden, z. B. wenn ●People of Colour als ●weiß gelesen werden. Grundsätzlich kann von Passing auch in anderen Bereichen gesprochen werden, bei (Nicht)Behinderung, Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen usw.. Fast immer geht Passing mit dem “Durchgehen” als Angehörige_r einer sozial höher gestellten Gruppe einher.

Patriarchat – meint zusammenfassend die Vorherrschaft von männlich positionierten Menschen gegenüber weiblich positionierten Menschen. Der Begriff des Patriarchats wird häufig als Schlüsselbegriff (●queer-)feministischer Theorien verstanden, da diesem eine Kritik an Diskriminierungen gegenüber weiblich positionierten Menschen inne wohnt.

People of Color/PoC – Diese politische Selbstbezeichnung verweist auf einen bestimmten gemeinsamen Erfahrungshorizont Schwarzer und anderer nicht-weißer Personen in einer dominant weißen Gesellschaft. Der Begriff geht auf Schwarze Aktivist*innen in den USA zurück.

Playparty – Eine Sexparty, die ●BDSM, Rollenspiele und ähnliche Abweichungen von normativem Sex ins Zentrum rückt.

Poly* – zu sein, bedeutet, sich in verschiedene Personen zur gleichen Zeit verlieben zu können. Polyamorie ist ein Beziehungskonzept, in dem Personen mehrere Liebesbeziehungen zur gleichen Zeit im Wissen und ●Konsens aller Involvierten führen können.

Privilegien – sind strukturelle Vorrechte oder Vorzüge die Personen(-gruppen) aufgrund bestimmter Merkmale, wie z. B. Klassenzugehörigkeit, Geschlecht, ●race, körperliche Fähigkeiten, sexuelles Begehren, haben. Mit der Erfüllung dieser Merkmale, die zum Großteil nicht erworben werden können, haben Menschen bspw. einen einfacheren Zugang zum gesellschaftlichen Leben oder erleben weniger Diskriminierung und Ausgrenzung. Personen sind in unterschiedlichen Stellen privilegiert, oder eben auch benachteiligt. Sich der eigenen Privilegien bewusst zu werden, ist häufig ein langer Prozess. Viele Menschen reagieren, wenn sie auf ihre Privilegien hingewiesen werden, mit Beißreflexen.

Queer – ist ein englischsprachiger Begriff, der ins deutsche übersetzt in etwa „seltsam“, „unkonventionell“, „komisch“, aber auch „leicht verrückt“ bedeutet. Queer wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den USA hauptsächlich als negative Bezeichnung für nicht-●heterosexuelle und ●cis-Personen gebraucht. In den 1960er Jahren wurde sich der Begriff vor allem durch Schwarze ●Trans*-Personen und ●Drag Queens als positive ●empowernde Selbstbezeichnung angeeignet.

Queers – Sammelbegriff für unterschiedlichste Geschlechts- und Begehrensidentitäten, welche sich meist selbst als nicht-●heteronormativ bezeichnen.

Queers of Color/Trans* of Color/QT*PoC – Selbstbezeichnung, die auf die Mehrfachdiskriminierung (●Intersektionalität) von queeren/trans* ●People of Color/PoC verweist. Der Begriff dient dazu die spezifischen Erfahrungen von queeren/trans* People of Color sichtbar zu machen, die sich von denen ●weißer Queers/Trans* bzw. nicht-queerer PoC unterscheiden. QT*PoC wird manchmal auch in „Lautsprache“ cutie PoC geschrieben.

Queer Theory – Die Queer-Theory ist eine Kulturtheorie, die die Zusammenhänge zwischen zugewiesenem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender), sowie Begehren (desire) untersucht. Die Queer-Theory entstand unter anderem aus einer kritischen Betrachtung rassistischer und ●heterosexistischer Annahmen in den zuvor gängigen ●Feminismen. Queer-Theory umfasst keine einheitliche Theorie, sondern wird eher als ein diverses, sowohl politisches als auch theoretisches, Konzept verstanden. Häufig ist ein Teil dessen die Reflexion eigener Positionen und die damit verbundenen Machtstrukturen, sowie eine Dekonstruktion dieser Machtstrukturen.

Pathologisierung – ist die Deutung und Bewertung von Verhaltensweisen, Körpern, Empfindungen und Gedanken, die nicht dem medizinisch definierten Normalzustand entsprechen, als krankhaft.

Race – Häufig wird der englischsprachige Begriff race, statt dem deutschsprachigen Begriff „Rasse“ verwendet, da „Rasse“ zu stark mit biologistischen und naturalistischen Vorstellungen verknüpft ist. Zudem wird race als gesellschaftliche Konstruktion verstanden, welche Rassismus mit sich zieht.

Rape Culture – Gesellschaften, in denen ●sexualisierte Gewalt verharmlost und/oder normalisiert wird. In diesen werden Betroffene in der Regel (mit)verantwortlich gemacht (victim blaming). Häufig erfahren Betroffene den Umgang im sozialen Umfeld (Freund*innen, Familie, Ärzt*innen, Psycholog*innen, Polizei, Medien…) als zusätzliche Gewaltakte bzw. Retraumatisierung(en).
Ansozialisiertes Schamgefühl bei erlittenen Übergriffen verhindert oder erschwert oft die Verabeitung derselben. Beispiele für Rape Culture sind: ●misogyne, sexistische und biologistische Ideologien, ●slut shaming, (sexistische) Witze, Stigmatisierungen, Verharmlosungen und Trivialisierungen. Bestimmten Personen wird beigebracht, sich zu schützen und bestimmte Situationen zu vermeiden oder gar zu ertragen, statt übergriffiges Verhalten zu problematisieren oder sich selbst zu behaupten.

Repression – auch als Unterdrückung, oder Zurückdrängen zu beschreiben. Der Begriff Repression bezieht sich dabei meist auf eine politische motivierte Unterdrückung von Widerstandspraxen, sozialen Bewegungen, Kritikäußerungen, aber auch auf individueller Lebensgestaltung. Repression kann sich auf verschiedenen Arten äußern und wird häufig als gewaltvoll erlebt. Zur politischen Repression gehören bspw. Strafverfolgungen, Strafverurteilungen, präventive Maßnahme zur Abwehr von „potentiellen Straftaten“. Beispiele sind racial profiling, Anzeigen gegen Aktivist_innen die Glitzer werfen und Vorratsdatenspeicherung.

Romantische Zweierbeziehung (RZB) – das Ideal einer festen Liebesbeziehung zwischen zwei Personen (meist sind damit eine ●Cisfrau und ein ●Cismann gemeint). Sie wird höher als andere Beziehungsformen gewertet, da sie die meisten möglichen zwischenmenschlichen Bedürfnisse (z. B. emotionale Nähe, Familienplanung, Sex, finanzielle Unterstützung, Kuscheligkeit) auf einmal erfüllen soll.

Rosa Liste – Rosa Listen bezeichnet Listen, welche von Polizei und anderen Strafverfolgungsbehörden geführt wurden/werden und der Sammlung von Auflistung von vermeintlichen ●Schwulen und ●Lesben dient. In München ist die Rosa Liste auch eine SchwuLesBische politische Partei, die sogar einen Sitz im Stadtrat hat.

Safer Sex – Als ‘Safer Sex’ werden Praktiken, Verhaltensweisen, Maßnahmen bezeichnet, welche die Möglichkeit sich bei sexuellem Kontakt mit sexuell übertragbaren Infektionen (z. B. Hepatitis, Tripper, HIV) zu infizieren minimieren soll. Hierzu zählt unter anderem die Benutzung eines Kondoms bei Penetration.

Saneismus – ist ein Teil von Ableismus (= Behindertenfeindlichkeit), die die Diskriminierung von psychisch kranken oder neurologisch abweichenden Menschen benennt.

Schlampenau – in Bearbeitung.

Schwul – Eine Begehrensform, bei der sich ein Mann* oder ein_e ●GirlFag zu einer_m anderen Mann* und/oder GirlFag, hingezogen fühlt.

Sexen – mit Personen im weitesten Sinne sexuell interagieren, wobei die Situation für mindestens eine der betoffenen Personen als sexuell verstanden wird.

Sex-positiv – Offenheit für Formen von Sexualitäten im weitesten Sinne und diese als positiv begreifen, sofern sie ●konsensuell, ●safer und aufgeklärt sind. Unter diesen Bedingungen wird Sexuelles als angenehm verstanden und ermöglicht Räume für freies, lustvolles, individuelles und gemeinsames Ausleben, Experimentieren und Entdecken.

Sexualisierte Gewalt – Gewalt und Machtausübungen finden auch über sexuelle Handlungen statt. Der Begriff sexualisierte Gewalt weist (im Gegensatz zum Begriff sexuelle Gewalt) daraufhin, dass es bei diesen nie um Sexualität sowie sexuelle Bedürfnisse und deren Befriedigung geht.

Slut-shaming – Umfasst das Herabwürdigen, Beschimpfen und übergriffiges Verhalten gegenüber von außen zugeschriebene_n sexuelle_m Auftreten/Handlungen/Begehren von Frauen*. Slut-Shaming äußert sich so bspw. in abwertenden und sexualisierten Kommentaren über Kleidung und deren behaupteter Implikationen.

Slutwalk – Slutwalks bezeichnen seit 2011 eine Demonstrationskultur,welche sich gegen die Täter-Opfer-Umkehr bei Vergewaltigungen, Vergewaltigungsmythen generell und ●sexualisierter Gewalt richtet (victim blaming). Da der Name von vielen Betroffenen, insbes. Mehrfachdiskriminierten, abgelehnt wird, wurden die Namen der Demonstrationen in vielen Städten geändert.

STD – sexually transmitted diseases, im deutschen: sexuell übertragbare Erkrankungen.
Siehe dafür auch ●STI

STI – Abkürzung für “Sexually Transmitted Infections” (deutsch sexuell übertragbare Infektionen): werden hauptsächlich durch Sex mit anderen Menschen übertragen. Beispiele sind HIV, Herpes, Syphilis, Gonorrhoe und Hepatitis. Viele Menschen sagen “STI”, weil der häufig verwendete Begriff “Geschlechtskrankheiten” nicht abbildet, dass infizierte Personen auch dann Krankheitserreger übertragen können, wenn sie gar keine Krankheitssymptome bei sich selbst feststellen.

SWERFs (Sex Worker-Exklusionary Radical Feminists) steht für “Sexworker*innen-ausschließende radikale ●Feministinnen. Diese lehnen Sexworker*innen und Sexwork in jeglicher Form ab. Zusätzlich wollen sie Sexworker*innen von feministischen Kämpfen per se ausschließen. Damit sprechen sie vor allem anderen Frauen die freie Selbstbestimmung über ihren Körper (eine derzentralen feministischen Forderungen) ab und reihen sich somit in antifeministische Positionen ein. Da Sexwork meist nicht von bürgerlichen Feministinnen betrieben wird, sondern vor allem prekärlebende (arme, ●trans* und negativ von Rassismus betroffene) Frauen betrifft, ist die Ablehnung von Sexwork(er*innen) häufig gleichzeitig klassistisch, rassistisch und trans* feindlich. Siehe auch ●TERFs.

TERFs (Trans-Exclusionary Radical Feminists, mitunter auch: Trans-Exclusionary Reactionary Feminists) – steht für ●trans-ausschließende radikale ●Feministinnen, bzw. trans-ausschließende, rückschrittliche Feministinnen. Feministinnen, welche die Existenz von trans* Menschen, insbesondere von ●trans* Frauen, abstreiten. Dabei berufen sie sich auf vermeintliche Biologismen und Chromosomen-Sätze, sowie auf den Mythos von männlicher und weiblicher Sozialisation. So haben sie die Vorstellung, dass trans* Frauen eigentlich Männer sind und ●trans* Männer widerum Frauen, wobei sie die Existenz anderer Identitäten, wie ●Genderqueers und ●Nonbinarys ebenso ignorieren, bzw. bekämpfen.
TERFs und ihre Ideologien sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass trans* Frauen häufig keinen Zugang zu Frauen*Lesben-Räumen erhalten. Zudem stützen Sie durch ihren Einfluss auf die öffentliche Diskussion das Zwei-Geschlechter-System und tragen dazu bei, dass trans* Frauen gesamtgesellschaftlich immer noch häufig als Männer fremddefiniert werden. Der Begriff “TERF” ist keine Selbstbezeichnung und wird von TERFs meist abgelehnt. In Deutschland bekannte Beispiele sind die Gruppe Störenfridas oder auch die Zeitschrift EMMA. Der Begriff “TERF” wurde wohl 2008 von Viv Smythe geprägt. Siehe auch ●SWERFs

Top(pen) – Person, die die dominante Rolle bei sexuellen Interaktionen einnimmt oder eine andere Person(en) stimulierende Rolle einnimmt, unabhängig von _Dominanz. (Top und bottom sind nicht gleichzusetzen mit aktiv und passiv).

Trans* – Trans* Personen sind (meist ●dyadische) Menschen, deren Geschlecht nicht oder nur teilweise dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. ●Inter* Personen können jedoch auch trans* sein. Dabei ist es unerheblich, ob diejenigen rechtliche (Namensänderung, Personenstandsänderung) oder medizinische Maßnahmen (Hormone, geschlechtsangleichende OPs) wünschen oder nicht. Trans* ist ein Überbegriff, der auch teilweise noch gebräuchliche Begriffe wie „●transident“, „●transgender“ und den pathologisierenden Begriff „●transsexuell“ mit einschließt, sowie auch agender, ●nicht-binär, ●genderqueer, ●genderfluid, ●neutrois,… Insbesondere manche agender und nicht-binären Personen verstehen sich jedoch nicht als trans*. Im Zweifelsfall: Ob eine Person trans* ist oder nicht, weiß nur diese Person allein.

trans Frau – Eine Frau, die ●trans (nicht ●cis) ist. Trans Frauen sind Frauen, denen bei der Geburt ein anderes Geschlecht als das weibliche zugewiesen wurde. ●Dysphorie oder ●Transition sind keine Voraussetzung, um eine trans Frau zu sein. Ausschlaggebend für die Identität als trans Frau ist nur das eigene Empfinden. Es gibt binäre und ●nicht-binäre trans Frauen. Das Erkennen der eigenen Identität als trans Frau kann in jedem Alter erfolgen. Manche Menschen wissen schon als kleine Kinder, dass sie Mädchen sind, aber es gibt auch trans Frauen, die ihr Geschlecht erst im hohen Alter herausfinden oder ausleben.
Viele trans Frauen bevorzugen die geteilte Schreibweise im Gegensatz zu „Transfrau”, weil dadurch „trans” zu einem Adjektiv wird und das zentrale Frausein unabhängig von Trans- oder Cis-Status ist.

Transgender – “Oberbegriff für alle Trans*menschen (so verwendet in „Transgender Network Switzerland“). Wird mitunter auch verwendet für: a) Menschen, für deren Geschlechtsidentität das Zweigeschlechtermodell nicht ausreicht; b) Trans*menschen, die keine oder nicht alle medizinischen Maßnahmen wünschen.” (Transgender Network Switzerland)

Transgenderradio – Das Transgenderradio ist ein Online-Radio, welches einmal im Monat zu ausgewählten Neuigkeiten zu Trans* berichtet, also auch über aktuelle Veranstaltungen, Proteste, Interviews Gesetzesänderungen oder Publikationen. http://www.transgenderradio.info

Transidentität – Der Begriff Transidentität bezeichnet das Gleiche wie Transsexualität, wird von manchen Trans*-Personen jedoch bevorzugt, da es die Identität im Wort hervorhebt, im Gegensatz zum oft als ●pathologisch bezeichnete Begriff der Transsexualität.

Transition – Der Prozess zwischen dem Erkennnen des eigenen ●Trans*-Seins und dem Ende des „Ankommens“ in der passenden Geschlechtsidentität und Geschlechtsdarstellung. Früher wurde der Begriff vor allem für das „Absolvieren“ der (als notwendig/normal angesehenen) „Schritte“ genutzt: ●Outings, Hormone bekommen, geschlechtangleichende Operationen machen sowie Vornamens- und Personenstandsänderung. Heute muss Transition mit diesen Schritten nichts zu tun haben und muss auch nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen sein. Die eigene Geschlechtsidentität kann sich im ständigen Wandel befinden, die Transition ist also möglicherweise nie abgeschlossen oder eben zu jenem Zeitpunkt, wo eine Person sich „angekommen“ fühlt.

trans Mann – Ein Mann, der ●trans (nicht ●cis) ist. Trans Männer sind Männer, denen bei der Geburt ein anderes Geschlecht als das männliche zugewiesen wurde. ●Dysphorie oder ●Transition sind keine Voraussetzung, um ein trans Mann zu sein. Ausschlaggebend für die Identität als trans Mann ist nur das eigene Empfinden. Es gibt binäre und ●nicht-binäre trans Männer. Das Erkennen der eigenen Identität als trans Mann kann in jedem Alter erfolgen. Manche Menschen wissen schon als kleine Kinder, dass sie Jungen sind, aber es gibt auch trans Männer, die ihr Geschlecht erst im hohen Alter herausfinden oder ausleben.
Viele trans Männer bevorzugen die geteilte Schreibweise im Gegensatz zu „Transmann”, weil dadurch „trans” zu einem Adjektiv wird und das zentrale mannsein unabhängig von Trans- oder Cis-Status ist.

Trans* of Color – siehe ●Queers of Color

Transsexualität – in Bearbeitung.

Transvestit_in – „Menschen die aus verschiedenen Beweggründen die Kleidung des anderen Geschlechts anziehen, jedoch nicht (unbedingt) an ein Leben im anderen Geschlecht denken. Kann in manchen Fällen Vorstufe der ●Transsexualität/Transidentität sein, bzw. die Person erkennt erst später ob sie transsexuell ist. Der größte Anteil aller Transvestiten trauen sich nicht, ihre 4 Wände zu verlassen, und unterdrücken dabei einen wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeit.“ www.transgender.at (10.02.2007)

Trans*-Tagung – Eine Selbstermächtigungsveranstaltung, bei der ●Trans*-Personen, Angehörige und Interessierte Workshops anbieten und Platz für Austausch geboten wird. Meist eine mehrtägige Veranstaltung.

Tomboy – Als „Tomboy“ werden meist Mädchen oder (junge) Frauen bezeichnet, die sich nicht „regelkonform“, also nicht den weiblichen Geschlechterklischees unserer Gesellschaft entsprechend verhalten, sondern besonders wild, aufgedreht oder auch sportlich aktiv sind.

Typisiert/e/r – Als typisierte Personen werden Menschen bezeichnet, welche männlich sozialisiert, gelesen und/oder positioniert sind. Die Formulierung ‘typisiert’ soll andeuten, dass es sich bei Geschlechtskategorien um gesellschaftlich bedingte Konstruktionen handelt.

Veganismus – Veganismus ist eine Ernährungs- und Lebensweise, bei der keinerlei tierische Produkte Verwendung finden.

weiß – Bei dieser Definition brauchen wir Unterstützung und freuen uns über Vorschläge! :]

Wendo – Wendo ist ein frauen*- und mädchen*parteilicher Ansatz zur Selbstverteidigung Selbstbehauptung, welcher aus ●feministischen Bewegungen entstand. Im Wendo werden neben Techniken zum Wehren gegen verbale oder körperliche Angriffe vor allem Übungen zur Selbstwahrnehmung und ●Empowerment trainiert.

Zis – siehe ●Cis

Zustimmungskonzept – ist ein Konzept, welches auf das Einverständnis aller Beteiligten abzielt. Das Einverständnis wird dabei nicht vorausgesetzt, sondern es bedarf einer klaren verbalen oder nonverbalen Äußerung des Einverständnisses. Häufig bezieht sich das Zustimmungskonzept auf sexuelle oder mit körperlichen Kontakt verbundene Situationen. Es kann jedoch auch bei allen anderen zwischenmenschlichen Kontakte angewendet werden.